ABORA IV - Update aus Mittelamerika

Großer Besucherandrang beim dritten ABORA Vortrag in der UMSA (University of La Paz)

Eigentlich wollte ich keinen Post über meinen dritten Vortrag machen. Aber die Ereignisse erfordern eine kurze Berichterstattung, weil ich mit einem derartigen Ausgang der Präsentation nicht gerechnet hatte.

Alles fing im Grunde genommen recht sub-optimal an. Noch kurz vor der Veranstaltung mussten wir das Hörsaalgebäude in über zwei Wohnblocks Entfernung wechseln. Doch nach und nach füllte sich der Saal, und es kamen immer mehr Studenten. Es bildete sich eine riesige Schlange, so dass der Agrar-Ingenieur und Organisator der Konferenz Miguel Angel Lopez entschied, mehr als die Hälfte der 200 anwesenden Studenten nicht mehr ins Auditorium zu lassen.

Als Unterstützung lud ich auch Dieter Groben aus La Paz ein, der seit mehr als sechs Jahren in Bolivien lebt und mittlerweile sehr gut Spanisch spricht. Seine Übersetzungen haben mir sehr geholfen, unseren Gästen die Bedeutung von ABORA für Bolivien und deren Kulturgeschichte näher zu bringen.

Die Veranstaltung endete mit langen Gesprächen und einer echten „Fotoorgie“, denn jeder wollte sich mit Fermin Limachi, unserem Team, mir und unserem ABORA IV Modell fotografieren lassen. 


Auf Entdeckertour in der prähistorischen Stätte von Tiahuanaco

Tiahuanaco ist eine der ältesten präinkaischen Stätten Südamerikas. Sie liegt etwa 15 km südlich vom Ufer des Kleinen Titikakasees entfernt. Hier haben in den letzten Jahrzehnten Archäologen die Überreste einer bedeutenden Andenzivilisation ausgegraben, deren früheste Anfänge vielfach noch im Dunklen liegen. Viele Kenner verbinden Tiahuanaco mit dem Forscher Arthur Posnanski, der glaubte, diese Stätte sei mindestens 14.000 Jahre alt. Neue Forschungen widerlegen jedoch seine Schlussfolgerung. Der Beginn dieser Stätte wird heute etwa auf 1.500 v.Chr. geschätzt, was der Bronzezeit im Mittelmeerraum entspricht.

Wir hatten das Glück, von zwei echten Tiahuanaco-Kennern geführt zu werden: Zum einen von Dieter Globen und zum anderen von dem Astronomen Manuel Fernando de la Torre. Beide Forscher gaben uns einmalige Einblicke in die Architektur und vor allem in die „Kosmovision“ dieser Andenkultur. 

Ich kann hier nur einige, der vielen Highlights ansprechen. Es würde den Rahmen des Posts sprengen, die vielen Sehenswürdigkeiten des Ortes näher zu beleuchten. An dieser Stelle nur ein paar Kommentare:

1. Die Akapana-Pyramide. Viel wurde über sie geschrieben und spekuliert. Sie war einst siebenstufig und mit steinernen Mauern ummantelt, von denen nur noch auf der Ostseite echte, prähistorische Reste zu sehen sind. 
Spekulationen über neue Sensationsfunde (Kristall-Sarophag mit einem König etc.) im Inneren der Pyramide weist Manuel F. de la Torre energisch zurück. 
2. Der halbunterirdische Tempel mit der berühmten KON TIKI Stele. Hier gab uns Manuel einmalige Einblicke in die astronomisch-philosophischen Vorstellungen der Erbauer. Berühmt ist der Tempel auch für die über 120 Gesichtsdarstellungen, die nicht nur die frühen Andenbewohner, sondern auch fremdländische Gesichter wiedergeben.
3. Die berühmte Kalasasaya oder auch „Sonnentempel“ mit dem berühmten Sonnentor. Hier stehen aber auch noch andere bedeutende Stelen, wie die Ponte oder Fraile Stele. Die Ponte Stele weist beeindruckende Reliefs auf, die astronomische Kalender (Mondkalender) und andere typische Gottheiten wiedergeben. Wie die Hersteller die feinen Rillen in den harten Stein geritzt haben, wird mir immer ein Rätsel bleiben…???

4. Die „Schlafenden Steine“ (Piedras cansadas). Sie liegen überall um Tiahuanaco und sind z.T. bis 40 t schwer. Sie weisen ebenfalls rätselhafte Steinbearbeitungsspuren auf, wie man sie auch bei den späteren Inkas oder den früheren Ägyptern findet. Im Unterschied zu den fast „geschmolzen“ erscheinenden Bearbeitungsspuren der anderen, erscheinen die von Tiahuanaco jedoch geponzt, also behauen zu sein. In Ägypten, aber auch bei den Inkas sind diese Formen spiegelglatt, als hätte man das Gestein verflüssigt…

Kurzum: Für alle Südamerikareisenden ist Tiahuanaco ein Pflichtbesuch wert! Ich hatte diese Stätte schon mehrfach besuchte, war dieser Ausflug war für mich von besonderem Wert!

Pressemitteilung: Dominique Görlitz - ABORA