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News - 34th America´s Cup: Bruno Peyron's Eindrücke von Cascais

11.08.2011

Mittwoch Abend kam Bruno in Cascais an, nachdem er die Vorbereitungen für den ersten Event der AC45 in Cascais aus der Ferne mit verfolgt hatte. Unmittelbar vor den morgigen Wettkämpfen auf dem Wasser in Cascais, schildert er uns seine ersten Eindrücke von außen, was in den letzten drei Wochen passiert ist und kommentiert den Stand der Dinge. Eine gute Gelegenheit um zu sehen, welche Fortschritte der französische Herausforderer Energy Team, Partner von Marinepool, in den verschiedenen Bereichen gemacht hat.

Bruno, was denken Sie nach den ersten zwei Renntagen über das Energy Team und seine Konkurrenten in Cascais?

Bruno Peyron: "Wir haben ein solides Team, das gut zusammenarbeitet und haben sehr schnell Fortschritte gemacht. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend, und wir sind uns über die Kluft zwischen uns und den Top-Teams bewusst, was nur normal ist. Wie schon bei unserer Vorbereitung, hat das Team bemerkenswerte Arbeit in kürzester Zeit geleistet. Sie haben eindeutig hart gearbeitet. Ich kann sehen, was sie bereits auf dem Boot erreicht haben. Loïck hat eine großartige Gruppe von Menschen zusammengebracht, die gute Chancen haben, sehr positiv eingestellt und bereit zum Angriff sind. Dies ist allen klar und man kann es richtig fühlen. Sobald sie an diesem Wochenende draußen auf dem Wasser waren, hat man gesehen, wie gut sie miteinander zurecht kamen. Vom aller ersten Tag an, hatten sie das Gefühl dafür und beendeten das erste Rennen des Tages auf einem symbolischen zweiten Platz. Es ist mehr symbolisch als irgendetwas anderes, aber es ist kein Zufallserfolg. Danach wurde es für das Team durch eine Lebensmittelvergiftung  etwas schwieriger. Dies soll jedoch keine Ausrede sein und hielt sie nicht davon ab ihr Bestes zu geben. Wie Loïck schon betonte, ist Energy zuvor noch nie bei solchen Leichtwind-Verhältnissen mit diesem Boot gesegelt. Am folgenden Tag waren sie viel aggressiver, was wir an ihrem sehr schnellen Start im zweiten Rennen sahen. Das war wirklich ein exzellenter Start. Danach liefen einige Dinge gut und bei einigen Situationen, die nicht ganz glatt verliefen, gab es kleinere Fehler. So ist es im Racing. Dann schlossen sie zum Chinesischen Team auf und überholten es sogar, bevor sie kurz vor der Ziellinie wieder eingeholt wurden, wie es Loïck gestern ja schon erklärte. Das hätte uns einen zusätzlichen Punkt und einen weniger für den Chinesen eingebracht, was bedeutet hätte, dass wir auf dem fünften Platz der Gesamtwertung  gelandet wären, welchen wir für diesen ersten World Series Event angestrebt haben.

Blickt das Team nach dem Rennen auf den Tag zurück?

BP: Ja, natürlich. Sie haben jeden Abend eine Nachbesprechung, bei der sehr kritisch die Ereignisse des Tages analysiert werden. Das Team versucht, anhand des Filmes vom Race zu analysieren, was passiert ist, wie es segelte, was gut war und welche Fehler  gemacht wurden. Das ist alles sehr konstruktiv, indem es kritisch bleibt, mit der Absicht die ganze Zeit Fortschritte zu machen.

Zwei tolle Rennen,  harter Wettbewerb im Mittelfeld ... Wie viel Raum gibt es, sich zu verbessern?

BP: 'Wir sind immer noch auf Zielkurs, aber wir hatten bisher auch nur zwei Renntage… Am Ende der Woche werden die Punkte addiert. Angesichts des Wettbewerbs  ist es normal, dass unsere Ambitionen bescheiden bleiben. Erst müssen wir das Boot richtig in den Griff bekommen, dann müssen wir versuchen, das beste Team zusammenzustellen, das wir finden können. Wir haben uns vorgenommen im Ranking immer so hoch wie möglich zu stehen, soweit das einem Newcomer gelingen kann. Wir wollen die Mannschaft sein, die die schnellsten Fortschritte macht, mit der Absicht, die Woche so nahe wie möglich an den Spitzenmannschaften zu beenden. Wenn wir es wieder schaffen, das zu zeigen, was wir schon erreicht haben, können wir sogar eine Bedrohung für die Top 3 sein. Das Potential ist also da, aber wir müssen es nutzen und zeigen was wir können. Das wird Zeit in Anspruch nehmen… Wir sollten nicht vergessen, dass nicht Cascais unser Ziel ist. Wir streben an, in zwei Jahren beim Americas Cup in San Francisco in Bestform zu sein.

Wie viel Zeit wird es in Anspruch nehmen, um auf ein Niveau mit den Top Teams zu kommen?

Wir können hoffen, dass wir in der Mitte der Saison einem Niveau mit den Besten sind, die Zeit ist auf unserer Seite. Es ist alles sehr neu für uns und die Anderen hatten 6 Monate mehr Zeit als wir, um sich mit den Booten und dem Flügelsegel auseinander zu setzen. Der Vorsprung, den wir Franzosen immer auf dem Papier hatten, ist heute weg. Die anderen Teams kamen alle schnell voran und wir sind mit unseren Vorbereitungen was die AC45 angeht ein kleines bisschen hinterher. Einige der anderen Teams hatten sechs Monate mehr Zeit, um auf allen Arten von Booten zu segeln, Extreme 40, D35 … und zu trainieren. Du kannst sie in vielen Serien und Regatten sehen. So müssen wir das Ganze vernünftig betrachten. Wir können nicht darauf hoffen, bis vor San Diego Ende des Jahres eine Gefahr für die Führungs-Gruppezu sein. Man darf nicht vergessen, dass wir unsere Mannschaft noch testen, mit Leuten auf verschiedenen Positionen segeln, um die beste Auswahl zu treffen. Loïck wird das Fastnet Race segeln und Yann Guichard wird ihn  auf seiner Position ersetzen. Der konnte aber nur vier Tage trainieren, war für Alinghi in der Extreme Sailing Series eingesetzt, deshalb müssen wir vorsichtig sein. Wir dürfen nicht zu viel Druck auf die Mannschaft ausüben, um ein gutes Ergebnis am Sonntag zu erzielen.

Was für ein Training planen Sie nach Cascais und vor Plymouth (von 10. bis 18. September)?

BP : Das ist das große Problem. Wir können nach dem kommenden Sonntag nicht mehr auf diesem Boot trainieren, da es auf ein Frachtschiff verladen wird. Deshalb ist es uns nicht möglich, zwischen den Events in Cascais und Plymouth zu trainieren. Wir wollten in Quiberon trainieren, aber das wird nicht möglich sein. Wir werden jedoch eine Trainingseinheit Ende September - Anfang Oktober in der National Training School auf einem 25-Fuß-Katamaran organisieren.

Wie weit sind Sie mit potenziellen Partnern?

BP: 'Wir sind bereits zufrieden, mit Corum einen Hauptsponsor gefunden zu haben, und befinden uns nun in einem realistischen Rahmen.  Unser Team ist etabliert und wir sind das einzige französische Team, das sagen kann, wir werden bis zum Ende der America´s Cup World Series 2012 dabei sein. Das heißt wir können uns mit einem Großsponsor auf die AC72 fokussieren und werden versuchen, das Geld für dieses Projekt in den kommenden drei Monaten zu sichern. Das ist eine realistische Vorgabe, wenn ich mir die Gespräche, die wir die vergangenen Monate mit potentiellen Hauptsponsoren geführt haben ansehe. Wir haben den Baubeginn der AC72 von September auf Januar verschoben. Alles läuft nach Plan und ist vorbereitet.

- Was denken Sie darüber, dass es mehr als einen französischen Herausforderer gibt und sie sich nicht auf eine gemeinsame Kampagne einigen konnten?

-BP: Zuerst möchte ich betonen, dass wir das erste Team waren und versucht haben eine Einigung zu erzielen, was aus verschiedenen Gründen nicht möglich war. Nun gibt es zwei französische Teams, ein drittes scheint wieder von der Bildfläche verschwunden zu sein. Ich weiß nicht ob die Möglichkeit einer verspäteten Meldung noch offen steht. Wir wollten diese Möglichkeit die das Reglement bietet, selber nutzen, uns ist aber gesagt worden es wäre nur möglich wenn nicht bereits ein anderes Team aus dem gleichen Land gemeldet hätte. Wir entschieden uns, für den AC45 Circuit zu melden, um sicher zu gehen, dass wir 2013 in San Francisco dabe sein können. Der Golden Gate Yacht Club allein entscheidet, welche verspäteten Nennungen er akzeptiert, das Risiko wollten wir nicht eingehen. Wir müssen uns daher auf die Gegner konzentrieren, die Fortschritte machen, Yachten bauen und nicht auf die, die eventuell gar nicht existieren. Es gibt zwei französische Herausforderer, beide sind in Cascais dabei. Wir müssen objektiv bleiben. Energy Team France ist der einzige der beiden, der einen soliden Partner vorweisen kann. Corum garantiert, dass das Projekt fortgesetzt werden kann. Seit wir unsere Kampagne vorgestellt haben, sind unseren Worten Taten gefolgt. Wir hoffen in den nächsten drei Monaten einen großen Partner vorstellen zu können."

- Viele Leute wundern sich, ob für zwei französiche Herausforderer Platz im America´s Cup ist. Was denken Sie darüber?

-BP: Ich glaube ehrlich gesagt, dass es nur für einen Raum gibt. Nur für den besseren Herausforderer wird im Hinblick auf Marketing, Image und Leistung genug Potential vorhanden sein. Der America´s Cup hat sein ganzes Geschäftsmodell revolutioniert und die Summen, die für ein Team nötig sind, um erfolgreich zu sein sind für große französische Konzerne im Bereich des Möglichen. Diese Budgets sind de facto gleich groß, wie man sie für die zwei großen französischen Offshore Teams hat, die beim nächsten Volvo Ocean Race und der Jules Verne Trophy teilnehmen. Wenn Sie mich fragen, wäre ein Investment in einem international so wichtigen Event wie dem America´s Cup, immerhin der drittwichtigste Sportevent der Welt, nicht die schlechteste Wahl für ein Unternehmen."

 

Ergebnisse und weitere Informationene hier:

www.energyteam.fr

Background Photo: © Gilles Martin-Raget

© Gilles Martin-Raget

Photos: © Gilles Martin-Raget

© Gilles Martin-Raget