Twitter Facebook

News - 470er Teambus geht baden

13.04.2010

Quelle: SegelReporter.com

Ein Bus schwimmt im Hafenbecken in Hyeres. Der 470er liegt noch auf dem Dach. Das Land ist gute 30 Meter entfernt. Wie konnte das nur passieren? SEGELreporter sprach mit den Unglücklichen, die aber gar nicht so unglücklich sind.

Das Berliner 470er Team Denny Naujok und Niels Schröder kam mitten in der Nacht von Sonntag zu Montag aus Palma in Hyères an, wo am 22. April die nächste Weltcup-Regatta für die Olympiaklassen stattfindet. Den Rest der Nacht schliefen die Segler im Bus, um am nächsten Morgen mit dem Zug nach Nizza zu fahren. Von dort sollte es per Flieger nach Berlin gehen.

Am Morgen machten sich die beiden also auf den Weg zum Bahnhof während ihr Auto noch sicher an Land parkte. So sicher wie ein Auto in Hyères eben steht. Die Regatta und der Ort sind nicht nur berüchtigt für viel Wind, sondern auch für gestohlene Fahrzeuge, aufgebrochene Appartements und geklaute Wertsachen.

Während Denny und Nils auf dem Weg nach Nizza feststellten, dass der französische Zugverkehr streikte und sie somit ihren Flug verpassen würden, ahnten sie noch nicht, dass dies das kleinere Übel des Tages werden sollte. Genervt traten sie den Rückweg nach Hyères an.

Zur gleichen Zeit änderte sich das Wetter in Hyères schlagartig. Der moderate Wind nahm plötzlich auf über neun Windstärken zu. Typische Hyères Bedingungen.
Untypisch hingegen war ein einsamer Bus, der von einer Bö erfasst, ins Wasser rollte und sofort volllief.

Der Wagen samt 470er auf dem Dach trieb bei dem starken Wind sofort ins Hafenbecken hinaus. Etwa 20 Minuten später fanden sich auch die Besitzer Denny und Nils wieder im Hafen ein und konnten sich nur noch ein Bild von dem Unglück machen.

„Wir waren und sind schockiert, was passiert ist, berichtet Vorschoter Nils heute SEGELreporter. “Aber in erster Linie sind wir heilfroh, dass niemand verletzt wurde und besonders, dass niemand mehr im Bus geschlafen hat. Dann hätte die Geschichte auch ganz anders ausgehen können.“

Was war also passiert? „Wir denken, dass jemand in den Bus eingebrochen ist und die Handbremse gelöst hat. Das hintere Fenster war offen, ob und was tatsächlich geklaut wurde ist im Moment schwer zu sagen, da viele Sachen bei der Bergung des Autos weggeschwemmt wurden. Wenigstens steht der Regatta nichts im Wege. Bis dahin sind unsere Segelsachen auch wieder trocken.“

Im Segelsport, - so heißt es allgemein – gibt es kein Glück oder Pech, sondern nur Können und Unvermögen. Aber wie verhält es sich in diesem Fall? Gilt diese Regel auch an Land? Und überhaupt spielt sich dieses Ereignis ja doch hauptsächlich im Wasser ab.
Sicher muss einige schiefgehen bis man in diese missliche Lage gerät, dass sein Auto samt Boot im Hafenbecken schwimmt, aber Pech gehört definitiv auch dazu. Bleibt zu hoffen, dass die Versicherung den Schaden übernimmt. Und dass die beiden Jungs bei der Regatta mehr Glück haben.

Kathrin Kadelbach